Vor dem Hintergrund drohender Kürzungen im Bundeshaushalt warnen die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege vor einer gefährlichen Abwärtsspirale, in der immer mehr Angebote der Sozialen Arbeit eingestellt werden müssten. Menschen in schwierigen Lebenssituationen und Notlagen zu helfen, wird für die Einrichtungen und Dienste der Freien Wohlfahrtspflege angesichts massiver Kostensteigerungen und sinkender Haushaltsmittel immer schwieriger. Die Spitzen von Arbeiterwohlfahrt Bundesverband (AWO), Deutschem Caritasverband (DCV), dem Paritätischen Gesamtverband, Deutschem Roten Kreuz (DRK), der Diakonie Deutschland und der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) fordern eine Trendwende bei der Finanzierung der Sozialen Arbeit. Sie sehen bei weiteren Kürzungen den sozialen Frieden in Deutschland gefährdet.
Vor diesem Hintergrund führte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (kurz: BAGFW) in der ersten Junihälfte 2024 eine Online-Umfrage zur finanziellen Lage der sozialen Arbeit durch. Die teilnehmenden Organisationen/ Einrichtungen sind gemeinnützige Organisationen, wobei diese insbesondere aus Mitgliedschaft und Untergliederungen der beteiligten Verbände stammen. Die Ergebnisse dieser Umfrage wurden heute, 19.06.2024, vorgelegt. Bereits 2022 und 2023 haben Befragungen durch die Wohlfahrtsverbände gezeigt, dass die Träger der gemeinnützigen sozialen Arbeit unter erheblichem finanziellem Druck stehen. Nun zeigen die Ergebnisse der Umfrage einmal mehr auf, dass eine Trendwende bei der Finanzierung der sozialen Arbeit bisher ausgeblieben ist. Schlimmer noch: Der Abwärtstrend scheint sich zu beschleunigen.
Dies sind die wichtigsten Ergebnisse:
- Knapp zwei Drittel der Einrichtungen und Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege mussten aufgrund finanzieller Schwierigkeiten in den vergangenen beiden Jahren ihre Angebote einschränken oder ganz einstellen.
- Mehr als drei Viertel der Befragten rechnen damit, ihre Angebote auch 2025 weiter zurückfahren zu müssen.
- Mehr als 70 Prozent der Einrichtungen und Organisation befürchten, dass sich die Reduzierung der Angebote negativ auf demokratisches Engagement vor Ort auswirken wird.
Stimmen aus den Spitzen der Verbände (Auszug) hierzu:
BAGFW-Präsident Michael Groß (Arbeiterwohlfahrt Bundesverband): "Unsere Umfrage zeigt: Die Sparpolitik des Finanzministers ist eine ernste Bedrohung für die soziale Infrastruktur in unserem Land. Sta3 auf Kosten der Menschen und ihrer Zukunft zu sparen, muss die Bundesregierung umsteuern und in Zusammenhalt investieren!"
Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland: "Die Gestaltung des Bundeshaushalts wirkt sich auf das Vertrauen der Menschen in die Demokratie aus. Weitere Kürzungen bei sozialpolitischen Leistungen und bei der Förderung von Freiwilligem Engagement im Bundeshaushalt 2025 sind demokratiegefährdend und nicht akzeptabel. Wer stattdessen die soziale Arbeit in den Wohlfahrtsverbänden stärkt und in den Sozialstaat investiert, sichert die Demokratie und unterstützt konkret den gesellschaftlichen Zusammenhalt."
Ausführliche Informationen, Pressemitteilungen und eine Zusammenfassung der Umfrageergebnisse erhalten Sie hier:
- Sozialkürzungen_verhindern_in_Zusammenhalt_investieren.pdf (diakonie.de)
- Angebote von Wohlfahrtsverbänden mussten vielfach schon eingeschränkt oder ganz eingestellt werden (bagfw.de)